Abgeschleppt

Auf dem Weg zu meinen Eltern bin ich einen kleinen Umweg gefahren um noch ein Ingress-Portal zu erobern und habe dabei einen jungen Autofahrer aus dem sprichwörtlichen Dreck gezogen.

Gleich nach der Autobahnabfahrt macht die Straße einen leichten Linksknick und genau in diesem Knick ging es nach rechts auf ein Feld. Eigentlich war der Weg mit Warnbaken abgesperrt, aber zwei fehlende Baken gaben den Weg doch frei auf einen kleinen Platz aus festgefahrenem Dreck. Von dort kam mir ein junger Mann entgegen und streckte hilfesuchend die Hand nach oben und bedeutete mir anzuhalten. Und da sah ich auch schon, was er für ein Problem hatte und musste schmunzeln. Er hatte seine kleine grüne Brotbüchse auf diesem Dreckplatz zu weit nach hinten gesetzt und war mit den hinteren Rädern einen kleinen Absatz herunter gefahren. Nun stand sein Auto schräg und saß mit dem Bodenblech auf dieser Kante fest. Natürlich konnte ich diesem etwas verzweifelt dreinblickenden jungen Mann da aus der Patsche helfen. Anhängerkupplung und Abschleppseil sei Dank.

Ich fuhr also auch auf diesen Platz, und stellte mein Auto leicht schräg vor das Seine. Die aufgewühlte Erde unter den Vorderrädern zeigte, daß er es schon mit Vollgas versucht hatte, aber ohne Erfolg. Ich fragte ihn, ob er ein Abschleppseil und eine Abschleppöse dabei hätte, die er noch vielleicht noch anschrauben müsste. Die Öse war bereits fest an der Karosse verbaut und er brachte auch so etwas wie ein Abschleppseil aus seinem Kofferraum. Eigentlich war das aber nur so ein dünnes Verzurrband zur Ladungssicherung, bei dem beide Enden zu einer Schlaufe geknotet waren. Das war mir dann doch zu unsicher und ich kramte doch lieber mein Abschleppseil aus den Untiefen der Ersatzradmulde. Das eine Ende hakte ich in der Abschleppöse der Brotbüchse eine und das andere Ende legte ich in einer Schlaufe um meine Anhängerkupplung. Ich setzte mich ans Steuer, startete den Wagen und fuhr leicht an, bis das Seil angespannt war. Im Außenspiegel sah ich, das der junge Mann aber noch neben seinem Auto stand. Ich rief ihm zu, daß er sich mal lieber hinter sein Lenkrad setzen solle, aber er meinte, daß sein Auto dadurch ja nur noch schwerer würde – er würde daneben stehen bleiben und das Lenkrad von außen festhalten. „Na gut“ dachte ich, „Mach doch was du willst.“, und fuhr an. Es brauchte auch nicht viel Kraft um die kleine Möhre aus dem Dreck zu ziehen, aber kaum waren auch die Hinterräder wieder oben, kam das kleine Autochen ins Rollen. Und rollte. Und rollte. Mir stockte kurz der Atem, ich sah mich um wo der Typ ist und warum er sein Auto nicht anhält und war schon drauf und dran eine scharfe Linkskurve zu fahren, so dass das gefährliche Grün an mir vorbeirollen würde. Aber da hörte ich es auch schon ratschen – er war in sein Auto gesprungen und hatte die Handbremse angezogen.

Puh, nochmal gut gegangen. Das Jüngelchen bedankte sich überschwänglich bei mir und hätte sich gern mit Geld oder Bier erkenntlich gezeigt, konnte aber – mitten in der Pampa – mit beidem nicht aufwarten und so beließ ich es bei ein paar abschließenden, mahnenden Worten: Er solle künftig einfach vorsichtiger fahren!

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