Spaß mit ColdCall Werbeanrufen

Ich mache ja nie bei irgendwelchen Gewinnspielen mit und gebe auch sonst nur sehr selten meine Telefonnummer an, wo man befürchten muss, dass die Nummer hinterher in irgendwelche Gewinnspieldatenbanken landet.

Gestern aber kam an unserem Festnetzanschluß ein Anruf mit einer unbekannten Nummer an, der aber – der Vorwahl nach – irgendwo aus unserer Ecke kommen musste. Ich meldete mich ganz vorbildlich mit „Ja bitte, was kann ich für sie tun?“. Die Frau am anderen Ende der Leitung wollte gern mit dem jüngsten Haushaltsmitglied über 18 Jahren sprechen – über eine Studie über die Akzeptanz von Gewinnspielen. Sie fragt nochmal wer das jüngste Haushaltsmitglied ist, ich sage dass das mein Sohn wäre. Sie fragt ob sie den bitte sprechen könne – ich sage „Nein, und außerdem würde ich es ihr verbieten mit einem Kind über eine Glücksspielstudie zu reden“. Sie will jetzt das jüngste Haushaltsmitglied über 18 Jahren sprechen, wegen der Studie. Ich sage „das wäre dann wohl ich, aber könnten Sie mit bitte nochmal sagen wer Sie sind und warum Sie anrufen?“. Sie betet ihren Einleitungstext erneut herunter. Ich bitte sie einen Moment zu warte – ich bräuchte erst einen Stift. Nebenbei quäkt mir das kleine Kind ins Gespräch, ich rede kurz mit ihr, bitte sie leise zu sein und suche weiter einen Stift. Ich habe den Stift gefunden – muss aber weiter nach einem Zettel suchen, die Anruferin bleibt weiterhin dran – muss wohl was wichtiges sein. So Zettel gefunden – der Spaß kann losgehen, hat man ja leider so selten.

Ich habe gerade keinen Ausdruck des EGBG Anti-Telemarketing Gegenwehrskripts vorliegen, aber da ich dieses Script schon mit dem Kollegen wieder und wieder am Telefon durchgegangen bin, habe ich die wichtigsten Fragen und Einwandbehandlungen im Kopf. Aus gehts!

Ich frage „Wie hieß nochmal die Firma für die sie anrufen?“, ich schreibe mit A P R O X I M A.
Ich: „Können Sie mir sagen, wie Sie an diese Telefonnummer gekommen sind?“ Sie: „Äh, also die Telefonnummern werden bei uns nach dem Zufallsprinzip… also äh…“
Ich: „Aha, danke. Wie war nochmal Ihr Name?“ Sie: „Also mein Name ist Andrea G. [Name aus Datenschutzgründen unkenntlich gemacht].“
Ich: „Aha, und wie lange machen Sie diesen Job schon?“ Sie: „Äh also diese Studie wird jetzt erst seit kurzem… Also diese Studie beginnt ja jetzt erst… also seit diesem Jahr…“ Ich: „Also 2013, ja? Ich notiere mir jetzt einfach mal 2013, OK?“ Sie: „Öhm, äh… naja…“
Ich lasse sie gar nicht erst zu Wort kommen, sondern schiebe meine nächste Frage gleich hinterher:
Ich: „Und ist diese Studie Ihre Hauptbeschäftigung?“ Sie (noch ganz bei der Sache): „Nein ich mache das nur als Nebenjob.“ Ich spreche ihr leise nach und schreibe mit „N e b e n job. Hab ich.“.
Ich: „Wie viel verdienen Sie denn in Ihrem Nebenjob?“ Sie: „Also ich weiß nicht…, warum wollen Sie das denn wissen?“ Aha, jetzt: Einwandbehandlung!
Ich: „Ich kann ihre Zurückhaltung verstehen, Frau G., einem völlig Unbekannten am Telefon Fragen zu beantworten, aber für eine repräsentative Studie benötige ich diese Angaben. Wenn wir dann jetzt bitte auf meine Frage zurück kommen könnten…“
Sie: „Äh, ich glaube das darf ich gar nicht sagen, also… äh…“
Jetzt muss ich mir das Lachen so sehr verkneifen, dass ich nicht länger die Einwandbehandlung abarbeiten kann. Obwohl da noch einiges möglich gewesen wäre. Ich versuche es also mit sehr unterdrücktem Lachen mit dem nächsten Themenkomplex.
Ich: „Und ist es für Ihren Job wichtig gute Zähne zu haben?“ Ich grinse in mich hinein und kann ein Lachen nur sehr mühsam unterdrücken. Sie scheint jetzt ein wenig irritiert zu sein und fragt ungläubig „hä?“
In diesem Moment kommt mein Großer zur Tür herein und bringt einen Freund mit. Ich begrüße beide. Sohnemann fragt mich etwas, aber ich bin in Gedanken ganz bei Andrea, ich sehe ihn an, winke ab und lege meinen Zeigefinger auf den Mund und bedeute ihm, daß er leise sein soll. Genervt ziehen die beiden von dannen und ich bin wieder bei Andrea und frage emotionslos erneut: „Ist es für Ihren Job wichtig gute Zähne zu haben?“. Sie: „Also eigentlich nicht, also Nein.“. Ich muss lachen, es platzt fast aus mir heraus, aber ich beiße mir auf die Zunge, ermahne mich zur Gewissenhaftigkeit und setze eine ernste Miene auf. Das hilft mir tatsächlich wieder ernst zu werden und die nächste Frage zu stellen.
Ich: „Können Sie eine Zahnpasta empfehlen?“. Sie: „Wie bitte? Also ich weiß nicht was das jetzt…“ Ich kann nicht mehr, ich muss lachen. Aber ich halte den Hörer zu und sie scheint es nicht mitbekommen zu haben. Schnell weiter im Text, bevor ich wirklich nicht mehr an mir halten kann.
Ich: „Von wo aus rufen Sie an?“ Sie: „Aus Weimar, das sagte ich doch schon. Unsere Firma sitzt in Weimar.“
Ich: „Ah, daher. Das ist witzig, kennen Sie meinen Schwager? Der kommt nämlich auch aus Weimar.“ Sie: „Öhm, tja ich weiß nicht, wie heißt der denn?“ Upps, da hat sie kurz Oberwasser bekommen und mich mit einer Frage ins Schwimmen gebracht. Eine Frage, die auch mein Script unter der Rubrik Einwandbehandlung nicht hat kommen sehen. Ich denke mir schnell einen Namen aus: „Müller, Alfred Müller heißt der.“ Darauf Sie: „Hm, Alfred Müller, das ist ja ein Allerweltsname… aber nein, einen Alfred Müller kenne ich nicht…“
Da ist endgültig Schluß bei mir. Es platzt aus mir heraus… erst nur ein zerknirschtes Grinsen, dann mit fließendem Übergang zu Hihihi und muhaha.
Durch mein Gelächter hindurch jappste ich Andrea in den Hörer: „Es tut mir wirklich – hihi – sehr leid, – hihi- aber ich kann an Ihrer – muhaha – Umfrage leider nicht teilnehmen.“
Ich drückte auf den roten Hörer, schlug unter lautem Krachen mit der flachen Hand auf die Tischplatte und lachte laut heraus. Die Netzjargon-Abkürzung LOL – fasste meine Reaktion am Tisch punktgenau zusammen. Der Situation angemessen gab ich mich auch noch einem ROFL hin. Mein Töchterchen staunte nicht schlecht, als ich vor ihr auf dem Boden kniete und mit der Faust vor Lachen auf die Dielen schlug. Sie ließ sich nicht lange bitten und half mit beim Dielenverdreschen und fand das auch lustig.

Im Nachhinein war es schon erstaunlich daß Andrea so lange drangeblieben war und den unfreiwilligen Spaß mitspielte – wahrscheinlich Erstsemester.

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Eine Antwort zu Spaß mit ColdCall Werbeanrufen

  1. BlogDog schreibt:

    Ohh herlich Jürgen, ich nochmal herzlich gelacht und meinen Kollegen gleich mit angesteckt. Das hier erwähnte Script habe ich bereits ausgedruckt und werde es an der Küchenpinnwand deponieren. Für den Ernstfall. Auch sehr schön, das Kind 2.0 so bereitwillig mitgemacht hat 🙂
    Toller Artikel – made my day!

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